Werte

Bei dem Inhalt des Festivals dreht sich alles um die Werte.

Die Werte aus dem Universum des H.C. Andersens

Fünf Werte bilden den Rahmen um den Inhalt des H.C. Andersen Festivals.

H.C. Andersen ist ein weltberühmter Autor, der gelesen, verstanden und über die Grenzen hinaus genutzt wird – sowohl die Grenzen, die geografisch und ethnisch festgelegt werden, als auch die, die auf Grund von Alter und Bildung definiert werden. Mit seinen Märchen, Reisebeschreibungen, Romane, Papierkunst und Gedichte kommunizierte Andersen die Werte, die er in Anbetracht seiner Zeit für wichtig hielt.
Die Themen, die in seinen Märchen behandelt werden, sind Themen und Probleme, mit denen auch wir modernen Menschen in Kontakt kommen. Die Forscher vom H.C. Andersen Center, Southern University of Denmark, haben fünf Werte erschaffen, die als zentraler Mittelpunkt für den Inhalt des Festivals gelten. Innerhalb der Rahmen des Universums von H.C. Andersen ist Platz für sowohl Fantasie, Tradition und Innovation auf dem H.C. Andersen Festival.

Das Grenzüberschreitende

Vielseitigkeit, die über Grenzen hinaus geht.

H.C. Andersen war buchstäblich grenzüberschreitend. Er reiste ins Ausland für mehr als 10 Jahre seines Lebens, genauso, wie er auch zwischen Orten innerhalb Dänemarks herumreiste. Die meisten seiner Märchen behandeln Bewegung und Reise als Themen.

Aber H.C. Andersen ist auch grenzüberschreitend im übertragenden Sinne. Seine Geschichten haben viele Landesgrenzen überschritten, da sie Werte, Pointe und Charakter beinhalten, die an die Menschen appellieren, unabhängig von Nationalität und kulturelle Werte. H.C. Andersen gibt starke Argumente für Meinungsfreiheit und -gleichheit: Alles und alle haben das Recht ihre Meinung zu äußern und die Macht ist häufig mit denen, die es nicht auf dem Papier haben.

Beispiele für Geschichten/Märchen:

Märchen mit Bewegung und Reise als Themen: Die kleine Meerjungfrau, Die wilden Schwäne, Der standhafte Zinnsoldat und der Reisekamerad.
Märchen, wo „die Anderen“ das Recht haben, sich zu äußern: Des Kaisers neue Kleider, Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern und Herzeleid.

Der Bruch des Musters

Möglichkeiten für alle

H.C. Andersen hat das Muster durchbrochen, eine lange Reise von schwierigen sozialen Verhältnisse, zu Anerkennung und Ehre. Er war gleichzeitig ein lebendes Beispiel dafür, dass es nie einfach- und das Leben mit Schmerz und Unwohlsein gefüllt ist, wenn man das Muster durchbrochen hat. Der größte Teil seiner Zeit als Autor reflektiert den Glauben daran, dass alle Möglichkeiten haben, jedoch dass der Aufstieg auch schmerzhaft ist und man kämpfen muss, um sich wiederzuerkennen und an sich selbst festzuhalten.

Beispiele für Märchen
Das hässliche Entlein, Die kleine Meerjungfrau, Die Schneekönigin und die Dryade.

Die Magie der Dinge und der Technik

Alles ist möglich

Es ist eine fantastische Welt, die sich in und mit H.C. Andersens Geschichten eröffnet: Alles ist möglich, solange man es sich nur vorstellen kann. Dieses gilt sowohl für die Fähigkeiten der Menschen als auch die der Dinge. In den Märchen von H.C. Andersen war keiner oder nichts die als Ausgangspunkt eine stärkere oder wichtigere Stimme hat als andere oder etwas anderes: Er war sehr fasziniert über die Möglichkeiten und Begrenzungen der Materialität, Naturwissenschaft und Technologie. Er liebte die Dampfkraft und den Elektromagnetismus, fürchtete jedoch auch Veränderungen, die es mit sich führte. Er hätte Drohnen und Roboter geliebt und gleichzeitig deren Bedeutung gefürchtet. Technologie und technologische Möglichkeiten werden den magischen Dimensionen in den sogenannten Zaubermärchen hinzugefügt, wo Stimmen den Dingen gegeben werden, die eigentlich nicht sprechen können – oder nie gehört werden.

Beispiele für diese Märchen:
Das Liebespaar, Die Stopfnadel, Die Hirtin und der Schornsteinfeger, Der standhafte Zinnsoldat und Zwei Jungfern.
Märchen, die Andersens Faszination für Technologie und Wissenschaft zeigen:
Die große Seeschlange, Nach Jahrtausenden, Die Galoschen des Glücks und die Dryade.

Die Mehrdeutigkeit der Gemeinschaft

Keiner ist genug an sich

H.C. Andersen suchte sein ganzes Leben nach etwas, womit er sich identifizieren konnte. Diese Suche unternahm er in einer komplizierten Mischung aus Narzissmus und Minderwertigkeit, die Seite für Seite in seiner Zeit als Verfasser reflektiert wird. Selbstinszenierung und Zweifel an den eigenen Fähigkeiten gehören zusammen in der modernen Menschheit und zeigen die Mehrdeutigkeit der Gemeinschaft: Die Gemeinschaft setzt auf der einen Seite Grenzen und auf der anderen ist sie jedoch notwendig für jeden einzelnen von uns. Einsamkeit entsteht außerhalb, aber genau deswegen auch auf Grund der Gemeinschaft. Viele Märchen von H.C. Andersens Abenteuer enthalten die Botschaft, dass man eine Aussicht auf Gemeinschaft und ein Auge drauf werfen darf, um Einsicht zu erlangen: Dass man immer das Große im Kleinen - und in den kleinen Dingen - sehen kann, als auch darf, da keiner und nichts genug an sich ist.
H.C. Andersen war sich dessen Bewusst, dass er auch nicht genug an sich war. Er empfand sehr viel für andere Menschen – aber seine Empfindungen wurden niemals richtig erwidert. Andersen musste mehrmals erkennen, dass die Liebe unerlässlich mit Ambivalenz verbunden ist.
Beispiele für diese Märchen:
Der Tannenbaum, Der Schneemann, Die roten Schuhe und die Galoschen des Glücks.

Die machtvolle Sprache

Kulturelles- und Sprachliches Verständnis

H.C. Andersen ist sowohl greifbares als auch unantastbares dänisches Kulturerbe. Seine sprachlichen Entfaltungen fügen ihm sogar Bedeutung als kulturelle Ikone zu, wenn Wendungen und Metaforen in der Sprache des Alltags verwendet werden. Dieses trifft auch zu, wenn die Dänen etwas als „H.C. Andersen-agtigt“ beschreiben – auf Deutsch: „H. C. Andersen-mäßig“. Eine Feder wird zu vier Hühnern, der Kaiser hat ja gar nichts an und die Anwärter der Prinzessin taugten zu nichts, also weg! In Märchen ist nichts, wie es zunächst scheint: Alles hat immer mehrere Bedeutungen und alles könnte anders sein. Für Andersen selbst galt es sowohl der Vaterlandsliebe, die Auffassung von lokalen Wurzeln und globale Strömungen, die Macht der Elite und eingesessene Traditionen. Märchen beinhalten große Gefühle und köstliche Ironie und genau diese Ironie gebrauchte er als Werkzeug zur Gesellschaftskritik und um leere Traditionen ein Ende zu bereiten. Beides Werkzeuge, wozu er heute noch gebraucht wird.

Beispiele für diese Märchen:
Das ist wirklich Wahr, Das Feuerzeug, Des Kaisers neue Kleider und Tölpel-Hans